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Oberflächen

Um einer Oberfläche aus Beton ein bestimmtes Aussehen zu verleihen, sind drei Wege der Gestaltung möglich. Ein Weg ist es, bereits beim Anmischen dem Beton durch Pigmentzusätze einen gewünschten Farbton zu verleihen, wobei hier die Farbe des Sandes und des Zements einkalkuliert werden müssen. Deshalb werden vor dem Gießen eines Bauteils aus Beton Probestücke angefertigt, um das endgültige Resultat vorab beurteilen und eventuell Nachbesserungen beim Mischverhältnis vornehmen zu können.

Die optische Struktur einer Betonoberfläche lässt sich vor dem Gießen eines Bauteils durch die Nutzung verschiedener Schalungen beeinflussen. Außerdem kann eine Oberfläche nach dem Ausschalen mechanisch oder chemisch nachbearbeitet werden.

  • Die Brettschalung ist die älteste und noch immer gebräuchliche Art der Schalung, die bei richtigem Einsatz zu einer attraktiven Oberfläche führt. Dabei werden sägeraue Bretter als Schalung genutzt, es können geflammte Hölzer eingesetzt werden und auch der Trocknungsgrad des Holzes nimmt Einfluss auf das spätere Aussehen der Oberflächenstruktur. Brettschalungen sind in der Regel sehr saugfähig, weshalb Wasseransammlung und Luftblasen in Oberflächennähe des Betons vom Holz aufgenommen werden. Brettschalungen verhindern ein Ausbluten des Betons und sorgen für eine raue Textur.
  • Beschichtete Schalplatten oder solche aus Kunststoff oder Metall ermöglichen das Herstellen einer fein strukturierten Oberfläche, die dem Beton ein glattes Aussehen verleihen. Inzwischen sind profilierte Kunststoffplatten erhältlich, die mit einem regelmäßigen Muster für weitere Gestaltungsmöglichkeiten sorgen. Außerdem können auf diesen Schaltafeln beispielsweise Blätter, Zweige, Muscheln oder Tierfiguren angebracht werden, die der feinen Oberfläche ein individuelles Muster verleihen.
  • Für bis zu 80mm tief eingearbeitete Texturen werden Matrizen oder Matrizenschalungen eingesetzt. Dabei handelt es sich um gummiartige, elastische Matten aus Kunststoff, in die eine Textur eingearbeitet wurde. Diese Matten werden auf eine Schalplatte geklebt. Die Matrizen sind in der Verwendung überaus kostengünstig, denn bei ordentlicher Pflege lassen sie sich hundertfach und öfter wiederverwenden.
  • Filterfliese werden auf die Schalplatten aufgezogen und bewirken, dass überschüssiges Wasser und Lufteinschlüsse über das textile Flies abgeleitet werden. Durch diese Maßnahme entsteht eine sehr feine Textur. Wolken sowie Schleier in der Betonoberfläche werden vermieden und der Beton wirkt optisch dunkler.
  • Die OSB-Platten-Schalung quillt beim Eingießen des Betons auf, was die Plattenstruktur auf die Betonoberfläche überträgt. Mit OSB-Platten lassen sich Oberflächen mit intensiver Zeichnung produzieren, die kaum Poren aufweisen und trotzdem rau wirken.
  • Waschbetonflächen entstehen durch die Zugabe von Mittel, die das Aushärten des Betons an der Oberfläche verzögern. Hat der Beton bis zu einem bestimmten Grad abgebunden, wird er mit Wasser und Bürsten oder mit einem Hochdruckreiniger bearbeitet, wobei die Steinstruktur an die Oberfläche tritt, während Sand und Zement bis zu einer vorbestimmten Tiefe weggespült werden.
  • Außergewöhnlich ist der Fotobeton, bei dem die Stärke des aufzutragenden Verzögerungsmittels über eine Folie bestimmt wird. Dadurch werden beim späteren Waschvorgang Sand und Zement unterschiedlich tief entfernt, sodass das auf der Folie vorgegebene Bild an der Betonoberfläche nahezu wie bei einem Relief zum Vorschein tritt.
  • Dem Waschbeton ähnliche Oberflächen können unter der Zuhilfenahme von Säuren erzielt werden, wobei die Flächenstruktur beim Absäuern leicht wellig wird und feinere Konturen aufweist.
  • Mit festen Strahlmitteln wie Sand, Kunststoff- oder Metallkügelchen ist es möglich auch einem älteren, bereits vollständig ausgehärteten Beton ein anderes Aussehen zu verleihen. Dieses Verfahren wird eher selten angewandt, denn dazu ist sehr viel Erfahrung notwendig.
  • Steinmetze bieten zudem die Techniken Stocken, Scharrieren, Schleifen und Polieren zur Nachbearbeitung einer ausgehärteten Betonoberfläche an, wodurch feinste und individuelle Strukturen bis zum Kunstwerk möglich sind.