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Oberflächen

Mit unterschiedlichen Mischungen von Putzmörtel und differierenden Korngrößen der Zuschlagsmittel lassen sich je nach Wunsch und Verwendungsgebiet unterschiedliche Oberflächen anfertigen. Dabei kommen handwerkliche Techniken zum Einsatz, die regional unterschiedlich sein können und teilweise bestimmten Epochen der Architektur zugerechnet werden.

Eine der bekanntesten und gebräuchlichsten Oberflächen ist der Rauputz, der oftmals als Wärmedämmung und zugleich als Gestaltungsmittel verwendet wird. Durch ausgefeilte Techniken beim Auftragen oder durch Handwerkstechniken danach, werden variantenreiche Oberflächeneffekte erzeugt. Die bekanntesten Rauputzarten sind der Kratzputz, der Knottenwurf oder der Graupenputz. Der Rauputz ist eine der ältesten Putzarten und wurde bereits in der Antike von Ägyptern, Römern und den alten Griechen verwendet.

Außergewöhnlich facettenreich ist der Reibeputz, der je nach Körnung des Zuschlagsmittels eine nahezu geschlossene, glatte Fläche erzeugt aber auch strukturiert in Erscheinung tritt. Er wird gewöhnlich mit dem Reibebrett hergestellt. Wird das Filzbrett genutzt, entsteht der typische Filzputz, dessen charakteristisches Zeichen die feine, überaus glatte Fläche ist. Bekannte Reibeputzarten sind der Münchener Rauputz oder der Wurmputz.

Anmerkung: Bei der Verarbeitung eines Reibeputz darf dieser nur minimal gefilzt oder gerieben werden, da sich ansonsten das Bindemittel auf der Außenseite konzentriert. Dort verhärtet, ist ein solcher Putz anfällig für eine Rissbildung. Aus diesem Grund sollte ein Außenputz generell nicht in der Reibeputztechnik hergestellt werden.

Historische Oberflächentechniken

Kalkputz und Lehmputz eignen sich besonders zur Herstellung eines Glattputz. Dabei nimmt der Stuckateur oder Putzer eine Glättkelle, das Glätteisen oder einen Tadelakt als Arbeitswerkzeug zur Hilfe, einen polierten Stein. Da Kalk- und Lehmputz relativ langsam abbinden, kann mehrfach geglättet werden, was eine spiegelgleiche Oberfläche ergibt.

Unter den modernen Putzmörteln finden sich auf Kunstharz basierende Mischungen, die dünn aufgespachtelt werden können. Sie sind abschließend schleifbar und erhalten durch Nachbearbeitung mit der Poliermaschine oder einem Polierstein ihren Glanz.

Die Technik des Glattputz hatte im Barock ihre Hochzeit. Auf diese Weise wurden beispielsweise Säulen hergestellt, die optisch wie eine massive Marmorsäule in Erscheinung treten, tatsächlich aber ein aufwendig gearbeitetes Marmorimitat sind. Diese Technik ist als Stucco lustro bekannt, bei der das charakteristische Marmorbild auf den frischen Kalkputz aufgemalt wurde.

Noch aufwendiger ist die Technik Scagliola, bei der Marmorpulver verschiedener Farben separat zu einem Teig verknetet wurden. Abschließend wurden die Marmorkuchen kunstvoll miteinander verbunden. Dieser mehrfarbige Marmorteig wurde in Scheiben geschnitten und anschließend aufgetragen, was beim Glätten mit Poliersteinen den Marmoreffekt ergibt.

Anmerkung: Die Verwendung eines solchen Putz im Außenbereich ist wenig ratsam, da ein Glattputz kaum feuchtigkeitsausgleichend ist und zur Rissbildung neigt. Übrigens wurden auf diese Weise auch Reliefs hergestellt, auf die im noch feuchten Zustand die Farben aufgetragen wurden, die so tief ins Material eindringen konnten. Aus diesem Grund sind Bildreliefs bis heute erhalten, die teilweise mehrere Tausend Jahre alt sind.

Der Schlämmputz oder Schweißputz ist ein meist teiltransparenter Überzug, der bei der Altbausanierung rissigen Außenwänden zu neuem Glanz verhilft. Zudem können diese Putzarten eingesetzt werden, um Mauerwerk aus Naturstein oder Ziegeln hauchdünn zu überziehen, wobei Steine und Fugen sichtbar bleiben.

Als Technik aus dem Mittelalter gilt der Rasa-Pietra-Verputz, der nur auf den Fugen angebracht wurde, ohne die Mauersteine zu bedecken. Dieser Fugenschutz wurde häufig mithilfe der Maurerkelle durch optische Fugen versehen, dem sogenannten Fugenstrich, der die Struktur des Mauerwerks wieder sichtbar werden lässt.