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Fensterwände

Besteht ein Bauelement aus mehreren Glasbauteilen, wird diese Konstruktion im Bauwesen als Fensterwand bezeichnet. Diese Konstruktionsart wird vorzugsweise dann eingesetzt, wenn in den Räumen hinter einer Fensterwand ein hoher Bedarf an Tageslicht gedeckt werden soll.

Fensterwände können sich auf ein Geschoss oder einen Gebäudeteil beschränken, können aber auch ausgedehnt ganze Gebäudefronten oder ein gesamtes Bauwerk bekleiden.

Beispiele dafür sind die langen und hohen Fensterfassaden von Bürogebäuden, die gläsernen Verkleidungen von Außenaufzügen, Glaslobbys in Hotels oder Firmenniederlassungen und Atrien als Empfangshalle, wie sie gerne in Behörden oder an Veranstaltungshallen gebaut werden. Darüber hinaus kann eine Fensterwand als tragendes Bauteil verwendet werden, wozu Wintergärten das Paradebeispiel sind.

Durch die großflächigen Glaselemente muss die Verglasung höchsten Ansprüchen genügen, was den Einbruchsschutz, den Schallschutz und die Wärmedämmfähigkeit betrifft.

Fensterwände werden in der Regel als Rahmenkonstruktionen montiert. Dabei werden Rahmenprofile zu einem Rahmengitter zusammengesteckt oder verschraubt, in das dann die Verglasung eingepasst wird. In den meisten Fällen ist eine Fensterwand funktionslos. Es sind keine Drehflügelfenster, Schiebefenster oder anderen zu öffnenden Fensterelemente vorhanden. Diese Festverglasung muss regelmäßig gereinigt werden, weshalb an der Innenseite und im Außenbereich darauf geachtet werden muss, dass die Glasflächen frei zugänglich und erreichbar sind.

Wird eine Fensterwand als Hotellobby oder als Haupteingang zu einem Krankenhaus oder einer Behörde konstruiert, werden zumeist automatische Türsysteme als Schiebetüren eingebaut. Auch Drehtüren kommen hier gerne zum Einsatz. Bei weniger frequentierten Bauwerken reicht im Allgemeinen eine reguläre Schiebetür aus, in Einzelfällen werden Drehflügeltüren verwendet. Im privaten Hausbau werden bei Fensterwänden Schiebetüren bevorzugt, die insbesondere als Terrassentür sehr beliebt sind.

Werden großformatige Schiebetüren verbaut, sind Hebeschiebetüren ideal. Das relativ hohe Gewicht der Türverglasung kann mit diesen innovativen Schiebetüren problemlos bewältigt werden, was deutlich den Wohnkomfort erhöht und zu einer vereinfachten Handhabung beiträgt.

Verwendete Materialien

Da Fensterwände in der Hauptsache aus Glas bestehen, liegt auch hier das Hauptaugenmerk. Das einfache Einscheibensicherheitsglas wir fast nie in Fensterwänden verbaut, denn diese Glasart ist lediglich ein Schutz vor Verletzungen, sollte das Glas brechen. Einscheibensicherheitsglas bietet aber kaum Einbruchsschutz, eine geringe Wärmedämmung und kaum Schalldämmung.

Deshalb wird vorzugsweise Verbundsicherheitsglas genutzt, das als 3-fach-Isolierglas oder als 4-fach-Verglasung in Dünnglastechnologie verbaut wird. Um eine optimale Wärmedämmung zu erreichen, können diese Verglasungen mit Gas gefüllt werden, so dass der Raum zwischen den Glasscheiben eine verstärkte Wärmeisolierung darstellt.

Auch Mischungen sind bekannt, bei denen Wärme- und Schallschutz kombiniert werden. So werden je nach Bedarf ein oder zwei Scheibenzwischenräume mit wärmedämmenden Glas gefüllt und die restlichen Zwischenräume werden durch ein Schwergas zum Schallisolator. Dabei ist darauf zu achten, dass die Glasscheiben eine unterschiedliche Stärke aufweisen. Werden gleich dicke Glasscheiben verbaut, schwingen diese beim Auftreffen von Schall im gleichen Rhythmus, sodass die Geräusche nahezu ungehindert auch mehrere Glasscheiben durchdringen.

Bei den Einbaurahmen und Rahmenkonstruktionen werden je nach Größe der Fensterwand wärmedämmende Mehr-Kammer-Profil-Systeme aus Kunststoff oder solche aus Aluminium oder Stahl, oftmals in Verbindung mit Kunststoff verwendet. Auf diese Weise ist eine Wärmedämmung auf Passivhaus-Niveau erreichbar. Profilverstärkungen durch Stahl oder Aluminium sorgen zudem für einen höheren Einbruchsschutz.

Bereits eine solide Dreifachverglasung beschert einen für normale Gebäude wie Büros, Behörden oder Privathäuser ausreichenden Einbruchsschutz der Klasse RC3. Zudem hat sich in Tests gezeigt, dass diese Verglasung bei normalen Handfeuerwaffen durchschusshemmend bis zur Klasse FB4 sind und zudem vor den schwersten Folgen einer Explosion einen weitgehenden Schutz bieten.

Die großflächige Verglasung macht häufig insbesondere an der Gebäudesüdseite die Installation von Sonnenschutzsystemen notwendig. Dazu können bei der Verglasung Scheiben genutzt werden, die mit Metall bedampft wurden. Der Einsatz von klebbaren Folien ist eher selten. Durch die feine Metallauflage wird entweder das Sonnenlicht absorbiert oder reflektiert.

Eine moderne Alternative stellt Smart-Glas dar. Diese technisch hochentwickelte Spezialglas stellt dem Gebäude Wärmeenergie aus Sonnenlicht zur Verfügung und dimmt die Sonneneinstrahlung auf ein angenehmes Maß. Das geschieht über hauchdünne Oxidbeschichtungen, die in der Lage sind Ionen aufzunehmen und wieder abgeben können. Dabei hilft eine lithiumionenleitfähige Polymerfolie, über die eine Spannung den Ionenaustausch beschleunigt, was das Glas bläulich einfärbt und so stufenlos die Sonneneinstrahlung verringert.