Verbunddecken | ARCHIPENDIUM
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Verbunddecken

Der Verbundbau definiert sich als eine Bauweise, bei der Elemente aus mindesten zwei unterschiedlichen Materialien über ein Verbindungsmittel zu einem kompakten Bauteil zusammengefügt werden. Allgemein sind mit der Bezeichnung Verbund die anschließend untrennbar miteinander verbundenen Baustoffe Stahlbeton und Stahlbauelemente gemeint. Für die Konstruktion einer Verbunddecke sind der Eurocode 4 – Verbundbau sowie die DIN 18800-5 – Stahlbauten, Verbundtragwerke aus Stahl und Beton, Bemessung und Konstruktion maßgebend.

Für Verbunddecken wird aber auch Holzverbund aus Holz und Beton genutzt, woraus Holzverbunddecken entstehen. In Spezialverwendungen kommt zudem der Textilverbundbau zum Einsatz. Das auch als Membranbau bekannte Bauverfahren zeichnet sich durch Stabtragwerke aus, die mit textilen Flächen bespannt und anschließend durch Härtungsmittel stabilisiert werden.

Verbunddecken werden als tragende Decken eingesetzt. Ihre Zusammensetzung besteht aus Stahlprofiltafeln, die in einem Konstrukt montiert werden. Durch in die Tafeln eingeprägte Noppen oder aufgesetzte Stäbe wird der an der Baustelle aufzubringende Ortbeton unlösbar im Flächenverbund mit dem Element verbunden. Zuvor wird auf den Stahlprofiltafeln eine Bewehrung angebracht, wobei die ohne Gerüst einfach montiert werden kann, denn die Profiltafeln sind als Arbeitsbühne vollkommen ausreichend. Außerdem entfallen alle Arbeiten zur Herstellung und Demontage einer Verschalung.

Die bis zu 24m langen Verbunddeckenprofile sind je nach Hersteller bis zu 60mm hoch und weisen Materialstärken von bis zu 1,5mm auf. Verbunddecken werden eingesetzt, weil:

  • sie durch die extreme Profilierung höchste Lasten tragen können, die nicht gleichmäßig auf der Verbunddecke verteilt sein müssen. Deshalb werden Verbunddecken beispielsweise im Parkhausbau bevorzugt eingesetzt. Außerdem beschert die Verbunddeckenbauweise niedrigere Gebäude durch dünner Deckenstärken, was zugleich die Fundamentlast verringert.
  • die unterstützungsfreie Bauweise fast immer das Aufsetzen eines zusätzlichen Geschosses ermöglicht, ohne Nachteile für die Gebäudestatik.
  • schlankere Konstruktionen und große Spannweiten mit Verbunddecken realisierbar sind.
  • sich durch die vorgefertigten Halbfertigteile die Bauzeit verkürzt, denn Verschalungen entfallen, es muss für die Deckenkonstruktion kein Gerüst gebaut werden und der Beton erhärtet wegen der dünneren Betonschicht schneller, was zudem den Betonverbrauch senkt.
  • das geringere Gewicht das Fundament entlastet.
  • der Feuerwiderstand einer Verbunddecke höher ist, als bei einer regulären Stahlbetondecke. Es wird die Brandschutzklasse F120 erreicht.
  • außerdem der Schallschutz gewährleistet ist und Verbunddecken eine höhere Wärmespeicherkapazität besitzen.
  • eine Beschichtung der Stahlelemente vorgewählt werden kann. Außerdem können die Stahlprofiltafeln mit farblich unterschiedlichen Sichtflächen ab Werk bestellt werden und so als Leitsystem bei mehrgeschossigen Gebäuden dienen.
  • im Külhausbau die Stahlprofiltafeln mit unterschiedlich stark dämmenden Isolationsschichten angeliefert werden, was je nach Isolierungsstärke U-Werte nach EN 14509 von 0,58 bis 0,11 W/m²K ermöglicht.