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Konstruktionsarten

Bei der Pfosten-Riegelfassade werden Stahlpfosten oder solche aus Aluminium verwendet. An die vertikalen Pfosten werden horizontale Riegel angebracht. Auf Pfosten und Riegel werden anschließend Pressleisten aufgeschraubt oder eingerastet. In die können dann nach Belieben die Füllungselemente eingebracht werden, die in der Regel aus Glas in mehreren Schichten bestehen. Alternativ sind Kunststoffelemente verwendbar oder es werden Stahlblechplatten verwendet.

Inzwischen werden vorwiegend Riegelverbinder aus Aluminium eingesetzt. Die werden mit Oberleisten und Unterleisten aus Stahl verbunden, und als Abdeckprofile kommen solche aus Aluminium, Stahl, Kunststoff und Holz in Frage, was je nach Breite der Profile facettenreiche Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.

Erstaunlich ist die Tragfähigkeit dieser Riegelverbinder, über der Lastabtrag auf die Pfosten übertragen wird. Hier sind inzwischen verschraubbare Verbinder erhältlich, deren Einzeltragfähigkeit die Grenze von 1.000kg weit überschritten hat.

Einzigartig für eine Fassade ist das integrierte Entwässerungssystem in der Pfosten-Riegelfassade. Damit keine Staunässe entstehen kann und Schwitzwasser oder Kondenswasser ablaufen kann, fungiert die Pfosten-Riegelkonstruktion zeitgleich als Drainage.

Eine besondere Rolle spielen Pfosten-Riegelfassaden in der Dachkonstruktion. Bereits ab nur 2° Neigung können durch diese Bauweise großflächige Glasdächer realisiert werden, Glaskuppeln oder formenfreie Konstruktionen sind nahezu uneingeschränkt möglich. Dabei sind die Belastungswerte beeindruckend.

Bei Prüfungen zur Schlagregendichtigkeit wurden absichtlich Wassermengen von 3,4l/(m²min) anstatt nur 2 l/(m²min) verwendet. Trotzdem hielten alle Dichtungen und es drang kein Wasser durch die Glasdachkonstruktion.

Ebenso überzeugend sind die Ergebnisse bei der Stoßfestigkeit. Dabei wurden Versuche mit erhöhter Beanspruchung nach Cahier 3228 du CSTB Méthode dʼessai De choc sur vérriere durchgeführt. Aus eine Höhe von 2,40m schlug ein Gewicht von 50kg auf einem Pfosten-Riegelglaselement auf, ohne dieses zu beschädigen oder gar zu durchbrechen.

Außergewöhnlich ist die Fähigkeit dieser Fassadenkonstruktion bei der Erfüllung von Sicherheitsaspekten. Das deutlich gestiegene Sicherheitsbedürfnis gerade bei Gebäuden für Behörden, Banken, Versicherungen oder Finanzdienstleistern kann mit einer Pfosten-Riegelfassade ohne zusätzliche Maßnahmen weitgehend befriedigt werden. Wird die übliche Dreischichtenverglasung gewählt, so entsteht eine durchschusshemmende Wand der Klasse FB4, die auch vor den schweren Folgen einer Explosion einen angemessenen Schutz bietet. Einige Hersteller bieten dazu Spezialverglasungen an die mit FB5 und FB6 die höchstmögliche Durchschusshemmung aufweisen.