ARCHIPENDIUM von Architekten für Architekten

Kellerwände

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Als Keller werden geschlossene Teile eines Gebäudes bezeichnet, die vollständig oder mehrheitlich unter der Erdoberfläche angelegt wurden. Dabei muss ein Keller nicht zwingend von gemauerten Wänden umgeben sein. Insbesondere in Bergregionen werden Keller in den Fels getrieben und anschließend mit einem Hausbau nach oben abgeschlossen.
Keller werden auch als Kellergeschoss bezeichnet oder als Untergeschoss, was bei Parkhäusern mit einem Tiefgaragenanteil häufig gebräuchlich ist. Wird ein Keller Souterrain genannt, handelt es sich in der Regel um Kellerräume, die Wohnzwecken dienen.
Ursprünglich wurden Keller zur Lagerung von Lebensmitteln errichtet, denn im Erdreich eingebaute Räume unterliegen wesentlich geringeren Temperaturschwankungen und sind zumeist kühler. Daher stammt die Bezeichnung Kellerei aus der Weinherstellung. Heute dienen Keller verschiedensten Verwendungen, vom Heizungskeller mit der Hausbefeuerungsanlage über den Öl- oder Gastankkeller, der vorzugsweise neben dem Haus gebaut wird, bis zum Lagerraum, der Garage oder dem Bereich zur Freizeitgestaltung, mit Hobbyraum, Sportbereich oder einem Partykeller.
Bei Kellern wird unterschieden zwischen den Hauskellern, die entweder die gesamte Grundfläche eines Hauses einnehmen oder zumindest einen Teil davon und vom Gebäude nach oben abgedeckt werden.
Abdichtungen für Kellerwände werden vorzugsweise vor dem Zuschütten der Baugrube von außen angebracht. Eine nachträgliche Abdichtung oder eine Sanierung bedingt immer das Freilegen der Kellerwände bis zur Grundplatte. Anders bei Isolierungen, die auch nachträglich im Innenbereich eines Kellers hinzugefügt werden und der Wärmedämmung dienen oder notwendig werden, weil sich Schwitzwasser an den Wänden niederschlägt, was unweigerlich zu Schimmelpilzbefall und im weiteren Verlauf zu Schwamm führen kann.
Wände im Kellerbau werden in der Regel aus Kalksandstein gemauert, es werden Stahlbetonwände mit Ortbeton gegossen oder es werden Stahlbetonfertigteile oder Halbfertigteile verwendet. Diese relativ begrenzte Auswahl an üblichen Baustoffen und Bauteilen hat ihre Gründe:

  • Die Außenwände eines Kellers sind immer tragende Wände, auf denen die Traglast des Gebäudes zu liegen kommt. Zur Unterstützung werden fast immer Zwischenwände eingezogen.
  • Kellerwände müssen nicht nur das Gewicht des Gebäudes in der vertikalen Belastung tragen, sie müssen zudem dem Druck des Erdreichs standhalten, durch das von außen hohe horizontale Kräfte auf die Kellerwand einwirken.
  • Zudem müssen Kellerwände hoch frostbeständig sein.
  • Regenfälle, Überschwemmungen, Schnee und steigende Grundwasserspiegel sind eine weitere Gefahr für Keller, weshalb unabdingbar Wände genutzt werden müssen, die wasserdicht errichtet werden können.

Mit einer Steindruckfestigkeitsklasse von bis zu SFK 12 bringt Kalksandstein ideale Voraussetzungen als Mauerstein für Kellerwände mit sich. Die Steine verfügen über eine glatte Fläche und weisen bei Ihrer Größe kaum Spielraum auf. Deshalb können Isolierschichten und Abdichtungsstoffe nach DIN 18195 in Bahnen aufgebracht werden, wobei zumeist auf einen Unterputz verzichtet werden kann. Auch kunststoffmodifiziere Bitumendickbeschichtungen, die sogenannten KMB-Isolierungen werden vom Fachbetrieb direkt auf das Mauerwerk aufgetragen. Außerdem kann Kalksandstein durch seine hohe Masse Temperaturen und Feuchtigkeit speichern und langsam wieder abgeben, was zu einem angenehmen Klima in den Kellerräumen beiträgt.
Ortbetonwände als Stahlbetonkonstruktion erfordern in der Regel großflächige Verschalungen, was großzügig bemessene Baugruben zur Montage bedingt. Isolierungen zur Wärmedämmung werden nachträglich aufgebracht, sobald die Verschalung abgenommen wurde und der Beton ausgehärtet ist. Zum Gießen der Wände wird wasserdichter WU-Beton als Transportbeton verwendet. Zusätzlich sind in der Regel Abdichtungsmaßnahmen notwendig, wobei mehrere Alternativen zur Auswahl stehen. Ortbetonwände benötigen Zeit, denn die Aushärtung des Betons, die Dehydratation dauert im Regelfall 28 Tage. Während dieser Zeit ist der Beton gründlich nachzubehandeln, um Risse und ein ungleichmäßiges Aushärten zu verhindern, wie in der DIN 1045-2 vorgeschrieben.
Als Halbfertigteile werden Elementewände geliefert, die nach Ihrer Montage auf der Grundplatte des Gebäudes mit Ortbeton ausgegossen werden. Die Verschalarbeiten entfallen. Die Nacharbeiten zur Isolierung und zur Wasserdichtigkeit sind denen der Ortbetonwand identisch.
Extrem kurze Bauzeiten werden durch den Einsatz von Stahlbetonfertigteilen mit integrierten Dämmstoffschichten erreicht. Diese Bauteile sind wasserdicht, wärmedämmend und müssen nach der Montage nur an den Fugen wasserdicht verbunden werden.