ARCHIPENDIUM von Architekten für Architekten

Holzbetonverbunddecke

A B C D E F G H I K L M N O P Q R S T U V W Z

Verbunddecken sind Decken, die zwei voneinander getrennte Materialen zusammenfügen, um so die besten Eigenschaften verbinden zu können. Holzverbunddecken werden dort eingesetzt, wo Holzdecken bereitsbestehen und ein erhöhter Brandschutz oder ein Trittschallschutz notwendig wird. Eine Holzverbunddecke ist ebenfalls leichter als vergleichbare Konstruktionen.
Bei der Holzbetonverbundbauweise wird Beton mit Holz entweder über Holzbetonverbundschrauben, auch HBV-Schrauben genannt oder über HBV-Schubverbinder fest miteinander verbunden. Diese Schubverbinder bestehen aus gelochten Stahlblechplatten, die über eine Nut im Holz fest verankert werden. Der überstehende Teil der HBV-Schubverbinder liegt im aufzubringenden Ortbeton, was für eine feste Verbindung sorgt.
In der Regel werden die HBV-Schrauben genutzt, denn die lassen sich ohne Vorbohrung ins Holz treiben und stellen damit vom Arbeitsaufwand die schnellste Möglichkeit dar, das Holz mit dem Beton zu einem Bauteil zusammenzufügen.
Bei der Zusammenführung von Beton und Holz zu einem Verbund übernimmt der Beton die Drucklast, wofür er von seinen Grundeigenschaften her bestens geeignet ist. Die Zugkräfte lasten auf dem Holz und die feste Verbindung zwischen beiden Materialien wird vom Stahl, sprich den HBV-Schrauben übernommen.
Die Bemessungsgrundlagen für einen Holzbetonverbund sind in der DIN 1052:2008-12 festgeschrieben. Betonseitig kann Transportbeton der Güte C 25/30 nach DIN 1045-1 eingesetzt werden. Es ist möglich Betongüten bis C60/75 zu verwenden.
Von der Konstruktion ist eine Holzverbunddecke wie eine normale Balkendecke mit einschichtiger Holzverkleidung auf der Oberseite ausgelegt. Diese simple, seit Jahrhunderten angewandte Bauweise hat den Nachteil des sich Durchbiegens und es können Schwingungen auftreten, was beispielsweise im Brückenbau häufig zu registrieren ist. Durch die Schicht aus Ortbeton, der durch die herausstehenden HBV-Schrauben fest und verschiebefrei mit der Holzkonstruktion verbunden ist, wir eine zusätzliche Steifigkeit erreicht und Schwingungen können weitgehend, teilweise nahezu vollständig unterbunden werden. Wird zusätzlich auf der Holzbalkendecke eine Bewehrung aus Baustahl befestigt, kann die Tragfähigkeit der Holzverbunddecke drastisch erhöht werden.
Die Holzverbunddecken werden im Wohnungsbau aus ästhetischen Gründen und aufgrund der relativ geringen Kosten gerne verbaut. Außerdem sind sie bei der Altbausanierung nahezu unerlässlich. In diesem Anwendungsgebiet ist es möglich alte, bereits durchgebogene Decken in ihre ursprüngliche Form zurückzuführen und selbst durch Verrottung geschwächte Balkenenden einer alten Decke müssen nicht aufwendig saniert oder ersetzt werden.
Holzbetonverbunddecken besitzen alle Eigenschaften, die bei einer modernen Decke erwartet werden. Sie sind hoch feuerbeständig und als Brandschutzdecke geeignet. Die Trittschalldämmung ist ebenso hoch wie die isolierenden Eigenschaften gegen Wärmeverlust. HBV-Decken erfüllen die Vorgaben des Eurocode 2. Außerdem wird die Bauzeit verringert, die Konstruktion ist preiswerter und im Vergleich zu einer herkömmlichen Stahlbetondecke wesentlich leichter, was zur Entlastung der tragenden Bauteile bis zum Fundament führt.